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Theaterprojekt: Wer sind wir denn?

Eine theatrale Interaktion des Brachland-Ensembles mit der Stadt Fulda Aufführungen im Schlosstheater Fulda und dem öffentlichen Raum

2019 feiert die Stadt Fulda gleich vier Jubiläen und ihr 1275-jähriges Bestehen! Laut Statistik gibt es allein im Stadtgebiet Fulda rund 68.000 Einwohner, davon sogar vier Personen, die 100 Jahre alt sind. Ca. 35.000 zugelassene PKWs brausen durch das osthessische Oberzentrum, über 400 Ehen werden jährlich geschlossen und ca. 2.000 Babys geboren – eine neue Generation für eine Region, der eine positive Entwicklung vorausgesagt wird.

Aber wer sind die Fuldaer, wer sind die BürgerInnen, aus denen sich die Stadt Fulda zusammensetzt?

Das dem Fuldaer Theaterpublikum bereits durch mehrere Gastspiele bekannte Brachland-Ensemble fragt im Rahmen des Stadtjubiläums: „Wer seid ihr denn?“ und macht sich mit den FuldaerInnen auf die Suche nach den Geheimnissen, Schätzen, Persönlichkeiten, Wünschen, und Sehnsüchten einer ganzen Stadt. Gerade in schnell wachsenden Städten bekommt man manchmal gar nicht mehr richtig mit, wer nebenan ein- oder auszieht, welche spannenden Lebensläufe sich hinter den Häuserfassaden verbergen und vor allem welche Ideen, Potenziale und Visionen in den Köpfen schlummern.

Das Brachland-Ensemble wird mit der Beteiligung der Bevölkerung an drei Abenden ein begehbares und erlebbares Wimmelbild auf die Bühne des Schlosstheaters bringen, schaltet dabei live per Video zu Menschen, in die Wohnzimmer oder Firmen und lässt die BürgerInnen selbst auf der Bühne zu Wort kommen. Eine theatrale Interaktion, in der sich zeigt, wie die Menschen in Fulda ihre Stadt sehen und erleben.

Was können wir und wie lässt sich damit die Zukunft gestalten?

Gesucht werden Einzelpersonen, Bildungseinrichtungen, Firmen, Initiativen und Projekte, die ihre Ideen, Zukunftsvisionen oder Vorstellungen davon, was Fulda ausmacht, einbringen und ihr ganz persönliches „Fulda“ vorstellen möchten. Sei es in Wort, Bild, Ton oder live auf der Bühne. Aber auch BürgerInnen, die einfach neugierig sind, gemeinsam mit uns ihre Stadt (neu) zu entdecken.

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld machte auf das Jubiläumsjahr 2019 bereits neugierig und schrieb: „Unser Ziel ist es, die reiche Historie Fuldas erlebbar zu machen und Verbindungen zu schaffen zwischen Geschichte und Gegenwart.“ Lassen Sie uns gemeinsam diesen Satz um die Zukunft erweitern!

KONTAKT
Schreiben Sie dem Brachland-Ensemble unter: wersindwirdenn@yahoo.com


Brachland-Ensemble

performing arts | documentary | installation
Das Brachland-Ensemble ist eine freie Gruppe professioneller Theater- und Kulturschaffender aus den Bereichen Schauspiel, Performance, Tanz und Film. Seit 2011 realisiert das Ensemble Projekte im Spannungsfeld von Darstellender Kunst, Dokumentation und Installation, die gesellschaftliche Konstrukte untersuchen und die daraus folgenden Konventionen hinterfragen.

Die Themenauswahl spiegelt dabei die künstlerische Diversität des Ensembles wider: aktuelle politische Ereignisse wie die Veröffentlichung des CIA-Folterreports, kritische Auseinandersetzungen zu Medien und Gesellschaft als auch persönliche, künstlerische Fragestellungen bilden den Ausgangspunkt der Projektentwicklungen. Teilweise basieren diese auf bis zu eineinhalb Jahren investigativer Recherche. So führte das Ensemble für „Revolution: Alles wird gut!“ u. a. in Indien, Ghana, Israel und Palästina, als auch in Schweden, Belgien und Deutschland Interviews und baute ein internationales Netzwerk zu KünstlerInnen und Organisationen auf (u. a. Amnesty International und die deutsche UNICEF-Kommission).

Seit der Gründung 2011 ist eine große Bandbreite von Projekten entstanden: vom Solostück und reduzierten Performances, über aufwendige Videoausstellungen und ortsspezifische Audiowalks, bis zum Schauspiel in großer Ensemble-Besetzung und innerstädtischen Gesellschaftsspielen im öffentlichen Raum mit der Beteiligung einer ganzen Stadt (Stadtjubiläum Fulda 2019). Seit Januar 2018 bilden Dominik Breuer (Brüssel), Maria Isabel Hagen (Hamburg) und Gunnar Seidel (Nürnberg) die Künstlerische Leitung. Das Ensemble wird projektbezogen gefördert. Es gibt keinen festen Spielort.

Auszeichnungen

  • 2017: Publikumspreis MADE-Festival für Ready for Boarding
  • 2017: Jurypreis Hessische Theatertage für Ready for Boarding
  • 2015: Kulturförderpreis der Stadt Kassel
  • 2013: Nominierung für den Kurz-Hackenberg-Preis für politisches Theater, Köln
  • 2013: Jurypreis Hessische Theatertage für Idole
  • 2011: Jurypreis AllesWasTanztGipfel in Köln

Künstlerische Leitung des Brachland-Ensembles

Dominik Breuer

Nach dem Abitur absolvierte Dominik Breuer seine Ausbildung bis 2001 an der Westfälischen Schauspielschule Bochum sowie am Jungen Theater Leverkusen. Es folgten zahlreiche Engagements u. a. in Hamburg, Gießen, Heidelberg, Bielefeld, Bremerhaven, Dresden, Remscheid und Stuttgart. Zudem arbeitete er mit freien Gruppen wie dem boat people project, backsteinhausproduktion, satellit produktion und der Naine-Linning-Company zusammen. Neben seiner Arbeit als Schauspieler ist er auch als Sprecher, Bühnenautor, Kampfchoreograf und Dozent für Schauspiel und Bewegung tätig. Als Regisseur und Choreograf arbeitete er u. a. an Häusern in Remscheid, Dornbirn, Dresden, Bremerhaven, Bielefeld, Gießen und Aachen. Seine Inszenierungen wurden mehrfach nominiert und ausgezeichnet. www.dominikbreuer.com

Maria Isabel Hagen

Maria Isabel Hagen studierte am Institut für Angewandte Theaterwissenschaften in Gießen und an der Iceland Academy of the Arts in Reykjavík mit Master 2015. Sie war in verschiedenen durational und ortsspezifischen Performances und Installationen zu sehen. Zusammen mit Eleonora Herder, Michaela Stole, Sabine Born und Lena Krause entwickelte sie die szenische Installation Site of Fiction, in der sie als Performerin mitwirkte. Weitere Arbeiten wurden u. a. bei den Hessischen Theatertagen 2015 in Wiesbaden gezeigt. Während des Studiums leitete sie verschiedene Projekte in leerstehenden Arealen in Gießen. Sie ist organisatorisch bei Theaterfestivals beteiligt u. a.: Internationales Sommerfestival Kampnagel, Hauptsache Frei Festival der freien Szene Hamburg, diskurs festival of performing arts Gießen und schreibt als Kritikerin für das Outnow! Festival Bremen und das Treibstoff Festival Basel.

Gunnar Seidel

Gunnar Seidel wurde 1982 in Bremerhaven geboren. Seit 2010 arbeitet er freischaffend als Schauspieler und Performer. Nach seinem Diplom an der Hochschule für Musik und Theater Hannover 2007, Gastengagements am Schauspiel Hannover und der Theaterakademie Hamburg, war er bis 2010 am Stadttheater Gießen engagiert. 2011 hospitierte er am Schauspiel Frankfurt bei Michael Thalheimer in der Produktion Maria Stuart. Seit 2010 gastierte er am Staatstheater Kassel, dem Stadttheater Gießen, Theater Aalen, Theater Paderborn sowie in freien Produktionen mit satellit produktion und Pandora Pop in München und Köln. Seine Inszenierung IDOLE wurde mit dem Preis Junge Experten bei den Hessischen Theatertagen ausgezeichnet. Seit Herbst 2015 lebt und arbeitet er in Nürnberg. Seit 2017 ist er Lehrbeauftragter für szenisch-dramatischen Unterricht an der Hochschule für Musik Nürnberg.

Vergangene Projekte (Auszug seit 2016)

Revolution: Alles wird gut!

Dokumentarisches Schauspiel in Koproduktion mit dem Theater Aachen, der Tafelhalle Nürnberg und der Landeszentrale für politische Bildung NRW

Alles wird gut! Das klingt nach einer gewagten These angesichts der momentanen Weltlage. Und doch: Es ist vieles besser, als man uns weismachen will. Wer gibt in unserer Gesellschaft den Impuls, Dinge zum Guten zu ändern? Wer sind die Protagonisten, die aktiv werden – realistisch und lösungsorientiert, und so Innovation oder gar Revolutionierungen auslösen? Eineinhalb Jahre recherchierte das Brachland-Ensemble in 10 verschiedenen Ländern auf 3 Kontinenten und nimmt die ZuschauerInnen nun mit auf eine dokumentarische Weltreise: live aus der Innenstadt, über europäische Grenzen hinweg bis nach Israel, Ghana, Schweden und Indien – via Internet auf die Bühne.

Regie: Dominik Breuer, Gunnar Seidel; Dramaturgie: Maria Isabel Hagen, Inge Zeppenfeld; Bühne und Kostüm: Franziska Isensee; Videoanimation: Felix Kramer; Mit Anika Pinter, Sophie Bartels, Katja Zinsmeister, Ali Can, Simon Rußig

Gefördert vom Kulturreferat der Stadt Nürnberg, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, dem Kulturamt der Stadt Kassel, dem Kulturhaus Dock 4, der Zeitlehren Stiftung, der Sebastian-Cobler-Stiftung sowie der Doris Wuppermann Stiftung. Dank an die Deutsche UNESCO Kommission für die Unterstützung mit einem „Letter of Support“.

Online-Archiv in Kooperation mit www.alternation.info

Ready for Boarding

Live-Hörspiel in Kooperation mit Amnesty International sowie der Tafelhalle Nürnberg

Ausgezeichnet mit dem Jurypreis Verstehen im Rahmen der Hessischen Theatertage 2017 sowie dem Publikumspreis Kassel des MADE-Festivals

Projekt zum Untersuchungsbericht des Geheimdienstausschusses des US-Senats über das Internierungs-und Verhörprogramm der Central Intelligence Agency. Drei SprecherInnen, an Mikrofonen sitzend, sachlich in Anzüge gekleidet, vertonen mithilfe weniger Requisiten den fassungslos stimmenden Text, der teils zu Dialogen umgeschrieben wurde und so den 600 Seiten starken Bericht in lebendige und doch schier unfassbare Situationen übersetzt.

Textfassung und Regie: Dominik Breuer; Dramaturgie: Gunnar Seidel; Sounds: Milan Pesl. Es spielen (in wechselnder Besetzung) Maria Isabel Hagen, Irina Ries, Morgane de Toeuf, Dominik Breuer, Milan Pešl, Eric Rentmeister, Gunnar Seidel.

Gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, dem Kulturamt der Stadt Kassel sowie der Sebastian-Cobler-Stiftung, Dank an Freunde + Förderer Schlosstheater Fulda e. V. sowie das Kulturhaus Dock 4

Lebensläufer

Ausstellung und Szenische Lesung In Koproduktion mit dem Westdeutschen Tourneetheater Remscheid und dem Jungen Theater Leverkusen

Nominiert für den Innovationspreis des Fonds Soziokultur

Junge Geflüchtete kommen über Brieffreundchaften in Kontakt mit deutschen SeniorInnen mit eigener Fluchtgeschichte – mit emphathischem Blick und Wertschätzung füreinander. So weit die Anfangsidee. Doch das Projekt entwickelte sich und erzählt nun von weit mehr: von guten Absichten, die so manche Sackgasse pflastern; davon, dass Recht und Ungerechtigkeit manchmal zwei Seiten einer Medaille sind und dass in der Ablehnung gegenüber Fremden nicht selten eine größere Gemeinsamkeit mit eben diesen Menschen schlummert als gedacht.

Konzept: Dominik Breuer, Eric Rentmeister, Claudia Sowa; Assistenz: Steffen Meyn; Übersetzungen: Anna Luisa Ssaada Schmidt, Amir Samaie; Fotos: Claudia Dilay Hauf; Grafik: Felix Kramer; Layout: Gunnar Seidel. Es lesen Dominik Breuer, Eric Rentmeister, Claudia Dilay Hauf, Maria Isabel Hagen.

Gefördert von der KulturStadtLeverkusen, der SelbstLos Kulturstiftung, der Bürgerstiftung Leverkusen, NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste, vom Fonds Soziokultur, dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW, der Caritas Leverkusen, der RheinEnergie Stiftung-Kultur sowie Christuskirche Leverkusen-Wiesdorf

Videotrailer zu den Projekten

Weitere Angebote des Brachland-Ensembles

Für junges Publikum

Unsere Inszenierungen entstehen häufig aus einer kritischen Fragestellung und bieten mit dem Schwerpunkt auf gesellschaftspolitische Themen besonders für junge Menschen Anknüpfungspunkte.

Mit Zusatzangeboten möchten wir jungen ZuschauerInnen den Einstieg und Zugang zu den verhandelten Themen und Theaterformen erleichtern. Vor- und Nachgespräche haben in unserem Angebot eine hohe Priorität, um über persönliche Erfahrungen ins Gespräch zu kommen. Darüber hinaus bieten wir in altersspezifischen Workshops auch eine künstlerisch-spielerische Auseinandersetzung an. Der Umfang kann dabei angepasst werden – von wenigen Stunden bis zu einem oder mehreren Tagen.

Workshops zu Arbeitsmethoden

Unser Team setzt sich aus Profis mit langjähriger Berufserfahrung zusammen. Die Weitergabe und -entwicklung von Methoden bildet einen Teil unseres Selbstverständnisses. In künstlerischen Workshops bieten wir Einblicke in Arbeitsweisen. Dabei richten wir uns sowohl an Laien als auch Profis. Die Workshops gliedern sich in drei Themenfelder:

  • Körper: Schauspiel (inkl. Körper- und Stimmtraining) sowie Body-Art-Performance
  • Kopf: Stückentwicklung, Recherchetheater (Umgang mit Interviewmaterial und wissenschaftlichen Publikationen, )
  • Maschine: Video auf der Bühne (u. a. Livekamera, Mapping, Live-Animation, Videokonferenz) unter dem Gesichtspunkt kostengünstiger Hard- und Software (Mac und Windows)